Archiv für September, 2010

Mersher ermittelt

Posted in Mersher, Musik on 27. September 2010 by floatingisle

Am Morgen nach dem Mord sitzt Mersher im Speisesaal des Schlosses. Bei einem späten Frühstück fasst er den Vorsatz, die Ermittlungen mit einem Rundgang durch das Gemäuer zu beginnen. Natürlich  nicht, ohne zunächst großzügig nachzubestellen. Während er auf seine zweite Portion wartet, lauscht er dem Geklapper des Geschirrs in der angrenzenden Küche, Lichtstrahlen fallen durch die bleiverglasten Fenster und fangen sich im Rauch seiner Zigarette: „Das Unsichtbare sichtbar zu machen… alle Wetter!“. Da er alleine speist, gibt es niemanden der ihn in seinem Nachsinnen stören könnte – ob der bevorstehenden Ermittlungen öffnet er seinen Geist.

Auf seinem Weg durch die labyrinthartigen Zimmerfluchten und Korridore des Schlosses nimmt er mit archäologischem Gespür jede Information in sich auf, denn  „… so wie sich der Tathergang in die Umgebung einprägt, und dort noch etliche Zeit später nachzuweisen ist, nehmen die äußeren Umstände auch Einfluss auf den Charakter des Mordes.  Man denke an die erhabenen Spitzbögen gothischer Architektur. Man denke an die Rafinesse mittelalterlicher Folter. Mord ist selten eine Einbahnstraße…“. Die hohen Teppiche dämpfen Mershers Schritte, von draußen dringt das Geräusch einer Heckenschere herein. Auch das gute Essen zeigt seine Wirkung, Mersher wird schläfrig und setzt sich auf ein antikes Möbel. Von dort aus studiert er die ihn umgebenden Kleinodien: die Motive verschlissener Gobelins,  die staubbedeckten Gemälde alter Meister, die geschnitzten Intarsien des Tischbeins zu seinen Füßen lassen Vorahnungen über die Natur des Verbrechens in ihm aufsteigen.

Oleg Schapowski auf der Schulter des Orion

Posted in Musik, Oleg Schapowski with tags on 18. September 2010 by floatingisle

Logbuch des Kapitäns, Donnerstag:

Nachtrag:

Bereits seit 15 Stunden befinde ich mich nun im freien Raum. In der Ferne kann ich die Lichter des andauernden Kampfes sehen, C-Strahlen teilen die Schwärze des Alls.

Ich eröffnete gerade vermittels der Marquard/Löffler-Variante die Offensive (ein taktischer Winkelzug, der damit beginnt, die linke Flanke der Formation preiszugeben – ein Bauernopfer) als die Taktomatik, die von Isaac wie üblich äußerst nachlässig kalibriert worden war, der Komplexität des Mannövers nicht mehr folgen konnte. Sie schlug Alarm, und ob der zu erwartenden Verluste sprangen die Sicherheitsrelais direkt auf Stufe fünf, was bekanntermaßen der sofortigen Evakuierung des Führungsoffiziers mittels des Notprojektils entspricht.

Als sei es mit dieser fatalen Fehleinschätzung nicht bereits genug, verrechnete sich der unselige Automat auch noch bei der zur Evakuierung benötigten Schubkraft (um den Faktor 4,5!), und so fand ich mich jäh etliche Meilen vom Schauplatz des Kampfes entfernt wieder, durch den Schub in eine langsame Rotationsbewegung versetzt.

Nun zieht das ferne Gefecht in regelmäßigen Intervallen durch mein Sichtfeld, bunte Lichtreflexe brechen sich in der Quarzscheibe der Kapsel. Ich vertreibe mir die Zeit damit, aus den Momentaufnahmen des Kampfes die Züge meines Kontrahenten zu extrapolieren – es sieht gut für uns aus. Es mag seltsam klingen, doch könnte ich schwören, dass unser Flaggschiff seit einiger Zeit die gegnerischen Vorstöße pariert, gerade so als befände sich ein weiterer Stratege an Bord… nur wer? Die Taktomatik wäre zu solcher Weitsicht wohl kaum in der Lage.

Auch meine persönliche  Situation erweist sich bei näherer Betrachtung nicht als aussichtslos. Im Kopf überschlug ich einige Parameter und meinen Berechnungen zufolge sollte mich meine Flugbahn  innerhalb von zwei Wochen in Suchreichweite der Beteigeuze tragen. Glücklicherweise hatte ich vor der Katastrophe gut gefrühstückt.

ice cream commercial

Posted in Gemischtes, Musik on 10. September 2010 by floatingisle

sound effect: grillenzirpen;

aufblende;

totale: verschlafene tankstelle in der mittagssonne, gelangweilte charaktere räkeln sich im schatten;

nahaufnahme: fahrertür eines rassigen sportwagens öffnet sich, schlanke frauenbeine in stilettos schwingen in zeitlupe auf den asphalt;

kamerafahrt verfolgt ihre schritte von den waden abwärts: sie läuft auf eine eistruhe zu;

nahmaufnahme: ihre hände; sie entnimmt der truhe DAS PRODUKT;

nahaufnahme: die tropfen auf dem silberpapier glitzern in der sonne;

nahaufnahme: frau beißt genüsslich in das eis,  schokoladenhülle  splittert geräuschvoll;

sound effect: brilliantes splittern;

kameraschwenk: schwenk aufwärts auf  ihre stark verspiegelte sonnenbrille;

special effect overlay: in der sonnenbrille der frau erwacht die szenerie zum leben;

fade in musik;

halbtotale: leichtbekleidete frauen und männer tanzen zu unterkühlten beats;

nahaufnahme: unter den tanzschritten spritzt wasser in zeitlupe auf;

nahaufnahmen: verschiedene details der tanzenden;

fadeout musik;

vogelperspektive: frau dreht sich um;

halbtotale über ihre schulter: die tankstelle liegt in der selben ruhe wie zuvor;

soundeffekte: grillenzirpen, wind;

einblende logo;