Archiv für Oktober, 2010

Mersher im Hotelfoyer

Posted in Mersher, Musik on 31. Oktober 2010 by floatingisle

Die Flügeltüren des Schlosses öffnen sich knarrend, als Mersher die altehrwürdige Empfangshalle von Oddwood Manor betritt.  Die Rezeption auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes ruft ihm die lästigen Anmeldeformalitäten ins Gedächtnis, lustlos schickt er sich an, den Raum zu durchqueren. Seine Gestalt spiegelt sich in den polierten Harnischen antiker Rüstungen, die Reflektionen geben ihm ein stummes Geleit.

Hinter ihm fällt die schwere Tür ins Schloss, der Luftzug stimmt im Kronleuchter einen klirrenden Gruß an – Mershers Laune bessert sich zusehends. Im Überschwang betätigt er die Portiersklingel ein wenig zu beherzt, unter lautem Klingen löst sich eine Feder und springt in eine entfernte Ecke des Raumes. Diesen Faupax zunächst ignorierend, wartet Mersher auf den Portier, der allerdings auch nach längerer Wartezeit nicht erscheinen will. Unter den vorwurfsvollen Blicken der Jagdtrophäen überkommt ihn ein jähes Unbehagen – er weiß, dass nichts geschehen wird, solange er das Missgeschick nicht aus der Welt geschafft hat.

Eilig durchmisst er den Saal, seine Spiegelbilder halten Schritt. Doch er kommt zu spät, das Bauteil ist bereits im dichten Flor des Teppichs versunken. Auf den Knien rutschend wühlt er sich durch das Labyrinth der Ornamente, eine auffällige Musterung führt ihn ans Ende des Läufers. Als er aufschaut, findet er sich zu Füßen einer alten Standuhr wieder, deren Haupt sich in der Höhe des Raumes zu verlieren scheint. Das Zifferblatt erregt Mershers Aufmerksamkeit: es ist doch noch gar nicht halb fünf! Vorsichtig öffnet er die Frontscheibe, vorsichtig dreht er die Zeiger um einige Stunden zurück.

Während er noch von der Mechanik eingenommen ist, belebt sich das Foyer hinter ihm auf merkwürdige Art und Weise: aus den Tiefen des Teppichs erhebt sich das gesuchte Metallteil, mit einem gewaltigen Satz verschwindet es in der Glocke des Portiers – zu hören ist jedoch nichts. Schemenhafte Figuren treten auf: ein Dienstmädchen mit Schürze und Staubwedel, ein Ober mit Tablett; schließlich betritt der Portier – rückwärtsgehend – durch eine Tür hinter der Theke den Saal und nimmt seine Position am Empfang ein. Geräuschvolles Räuspern. „Wie kann ich ihnen behilflich sein, Sir?“, schnarrt es vom anderen Ende des Raumes. Mersher fährt herum – die vormals glänzenden Rüstungen sind staubbedeckt, er steht dem Portier allein gegenüber.

Auslandsjournal vom 31.10.2010: Schak´Rhanatana – das Juwel Indiens

Posted in Gemischtes, Musik on 31. Oktober 2010 by floatingisle

Nach zweistündigem Marsch durch dichten Urwald taucht der majestätische Tempel von Schak‘ Rhanatana vor uns auf. Die in der Mittagssonne glänzenden Kuppeln lassen auf den einstigen Prunk des Ortes schließen, ständig sind lokale Milizen damit beschäftigt, Buntmetalldiebe von den Zinnen zu schießen. Geblendet von dieser Pracht ziehen wir uns in die Kühle der inneren Kammer zurück. Hier betreiben die Teile der Bevölkerung, die zu schwach oder zu jung sind, um nach dem Blattgold der Kuppeldächer zu steigen, Garküchen, Souvenirstände und improvisierte Lazarette.

Ein untersetzter Mann mit Turban, der sich uns als Verwalter des Heiligtums vorstellt, reicht uns ein Glas trüben Tees, und beginnt ungefragt, uns die Geschichte des Ortes zu erzählen:

[…] Der einstige Großkhan des Reiches, Farukh al Omahari, erklärte während seiner nur wenigen Tage währenden Amtszeit den gemeinen Urwaldskorpion (der in alten Überlieferungen noch als Schädling verflucht wurde) zum unantastbaren Bewahrer des Glaubens. Omahari verschied tags darauf bei der Morgenandacht, nachdem er sich – sich zum Gebet bereitmachend – auf einem Vertreter dieser Gattung niedergelassen hatte.

Dennoch wirkt der Erlass des einstigen Souveräns bis heute nach: der Tempel wimmelt nur so von dem giftigen Getier.

Leider mussten wir am Abend unseren Kameramann in die nächste Provinzhauptstadt ausfliegen lassen: er hatte den Fehler begangen, seinen Hut achtlos auf den Kopf zu setzen. Zu seinem Glück kam er glimpflicher davon als sein historischer Leidensgenosse – außer einem bösen Stottern und partieller Verwirrtheit wird er wohl keine bleibenden Schäden davontragen.

Als wir ihn auf dem Rückweg wieder mitnehmen wollten, erwartete uns jedoch eine Überraschung – es hatte sich bereits eine große Anhängerschaft gebildet, die seine wirren Ausführungen zum Kult erhoben und ihn als Oberhaupt, Prophet und Opfertier in Personalunion vorgesehen hatte. Entsprechend schwierig gestaltete sich seine Auslösung: nur nachdem wir im Konsulat vorgesprochen und um Geleitschutz gebeten hatten, konnten wir unter den Steinwürfen der Bevölkerung das Gebiet verlassen.

Am Ende sind es doch gerade solche Ereignisse, die uns mit gemischten Gefühlen an diese Reise ins Herz des Morgenlandes zurückdenken lassen…

Walking Ghost Phase Theme

Posted in Musik, Walking Ghost Phase on 3. Oktober 2010 by floatingisle

After endless hours of nausea and feverish visions, the protagonist regains consciousness once more. Having wandered the sewers as far as his exhausted body would carry him, a ray of light finally guides him to the surface.

As he climbs the rusty ladder, he fears facing the destruction that awaits outside; he can smell the toxic fumes that reek through the soil. Knowing that from now on he lives on borrowed time, he feels neither dead nor alive – he has entered the WALKING GHOST PHASE.

While gazing at the rugged wasteland that once used to be a flourishing metropolis, he ponders the purpose of his agony. Along with his ghostly constitution, a strange obsession seems to have risen within his mind:

He must journey to the CORE.

The intro to the upcoming post-apocalyptic odyssee „Walking Ghost Phase“