Hallo Harold

Hallo Harold,

Sorry, dass wir heute nicht proben können. Und sorry,  dass ich dir nicht früher Bescheid gesagt habe und jetzt unsere Website nutze, um dir zu schreiben. Aber vorgestern erreichte mich dieser Anruf und ich musste den nächsten Flieger nach L.A. nehmen. Samantha steckte wieder in Schwierigkeiten und ich denke, du hast dafür Verständnis. Du kennst die amerikanischen Schauspielerinnen ja genau so gut wie ich.

Wie du weißt hat Sam im Moment einen Gastauftritt in diesem Horrorstreifen – „JAWS vs. Psycho – Der Weiße Hai gegen Norman Bates“.  Der Produzent hat es sich in den Kopf gesetzt, nur an den Sets der Originalfilme zu drehen; im Zeitalter von CGI der völlig falsche Ansatz, wenn du mich fragst. Das alte Gerümpel scheint wohl teuerer zu sein als erwartet, auf jeden Fall muss er jetzt die Gagen für die Schauspieler kürzen – Samantha will sich das natürlich nicht gefallen lassen. Naja, wir überraschten ihn, als er gerade die Dusche aus „Psycho“ ausprobieren wollte. Ich riss den Vorhang beiseite und bot ihm an, die Sache wie Gentlemen aus der Welt zu schaffen; im nächsten Moment hatte ich ihn schon im Schwitzkasten.

Unter dem Beifall des  Filmteams droschen wir uns die Fäuste ins Gesicht. Glücklicherweise konnte ich in die Knie zwingen. Als er dann in der legendären Duschtasse lag und sein Blut aus der Nase in den Abfluss strudelte, erschien er mir plötzlich viel freundlicher, fast ausgelassen. Er sagte, dass habe noch keiner geschafft. Ich streckte ihm die Hand entgegen und half ihm auf. Schon lobte er meinen rechten Haken und klopfte mir dabei gönnerhaft auf die Schulter.

Am Abend lud er Samantha und mich zum Essen in seine Villa in Beverly Hills ein und bot mir an, den Soundtrack für das Projekt zu übernehmen. Ich willigte ein und setzte mich noch in der Nacht an das Kernstück der Komposition. Die Szene ist eine Art Hommage an den ersten Film: In einem abgelegenen Motel dreht der Weiße Hai seine Runden in der Badewanne und wähnt sich dabei unbeobachtet. Doch da schleicht der gestörte Norman Bates in dem Fummel seiner Mutter und mit einem Messer bewaffnet ins Bad. Der Weiße Hai sieht die Reflexion des Psychopathen noch rechtzeitig in seinem Rasierspiegel und ein Kampf um Leben und Tod beginnt…

Ich liebe es, wieder in Hollywood zu sein. Das Beste ist, du kommst schnell nach und lädst unterwegs noch ein paar Symphoniker ein. Die Leute vom Film schmeißen mit Geld nur so um sich und wissen einen orchstralen Soundtrack wirklich zu schätzen.

Alex

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